Von der Hütte zum Bärghuis – eine Story für sich.

Vor 1936

Für die Säumer war der Jochpass seit Jahrhunderten die direkteste Verbindung zwischen Meiringen und Engelberg. Davon zeugen zahlreiche Dokumente, die Persönlichkeiten bei ihren Wanderungen vom Berner Oberland nach Engelberg hinterliessen. Vor 1936 bestand eine einfache Schutzhütte auf der Berner Seite, damit Wanderer, die von den Tücken der Bergwitterung überrascht wurden, Unterschlupf fanden.

1935–1936

1935 gründen in Stans begeisterte Bergsteiger den Nidwaldner Bergklub NBC. Als Präsident amtet der junge Fotograf Leonard von Matt, der sich für die Realisierung einer eigenen Klubhütte einsetzt. Die Alpgenossen von Trübsee stimmen anlässlich der Ordentlichen Alpgenossenversammlung vom 23. Januar 1936 dem Gesuch zu, 200 m2 Land zum Bau einer Klubhütte auf dem Jochpass an Leonard von Matt persönlich zu verkaufen. Zimmermeister Walter Lussi aus Stans errichtet im selben Jahr die Berghütte in nur zweimonatiger Bauzeit und Leonard von Matt kann diese am 25. September 1936 in Betrieb nehmen. Unterstützung findet er im Hüttenwartspaar Berta und Ignaz Odermatt-Scheuber.

1944

Der Bau des Jochpasslifts bringt Berta und Ignaz Odermatt-Scheuber – von den Gästen liebevoll «Jochpass-Nazi» und «Jochpass-Bethli» genannt – für die Betreuung der Jochhütte eine grosse Erleichterung. Der Besucherzustrom vervielfacht sich schnell.

1948

Der mehrfache Besucherandrang fordert eine Vergrösserung des Berghauses. Der Vorraum, die Küche und das Massenlager werden vergrössert, das Dach angehoben und das zweite Stockwerk eingeschoben. Das Hüttenwartspaar bezieht ein grösseres Zimmer. Die Terrasse erhält eine Verbreiterung und die Toilettenanlagen werden erweitert. Die östlich der Hütte gelegene Quelle am Ochsenhorn wird gefasst, um den erhöhten Wasserkonsum zu meistern. Oft herrscht in der Berghütte Wassermangel. Wenn im Winter zu wenig Wasser vorhanden ist, wird ein Loch durch das Eis des nahen Seelis geschlagen und das kühle Nass mit einer Eisenbränte zum Wasserfass getragen. Oft helfen bei dieser Arbeit Gäste und die während des Zweiten Weltkrieges zur Betreuung der Wetterstation auf dem Jochpass stationierten Leute des Schneemessungs- und Lawinendienstes mit. Während den Sommermonaten, besonders im trockenen Jahr 1947 und 1949, wird das Wasser oft von weit her gegen Engstlen auf den Jochpass getragen. Auch die Trübsee-Älpler bringen Wasser ab der Tränkestelle Rossboden, während sie mit dem Vieh auf dem Jochpass weiden.

1962

Als Folge des weiteren Aufschwungs des Ski- und Wandertourismus – es werden inzwischen auf dem Jochpass die beiden Jochstocklifte betrieben – steht Leonard von Matt Anfang der 1960er-Jahre vor der Entscheidung, die Berghütte wieder zu erweitern oder zu veräussern. Im April 1962 verkauft er sie an einen Stanser Hotelier. Die Alpgenossen von Trübsee erinnern sich an das im Vertrag von 1936 einbedungene Vorkaufsrecht bei einer Veräusserung der Hütte. An der Alpgenossenversammlung vom 24. Mai kaufen die Trübsee-Alpgenossen die Jochpasshütte und beschliessen, bei den Behörden ein Gesuch um die Bewilligung zum Ausschank von Alkohol einzureichen.

1964–1967

1964 wird nach der Kreditgenehmigung der geplante Erweiterungsumbau mit Vergrösserung der Sonnenterrasse, Küche und Unterkellerung realisiert. Der budgetierte Kredit von 460'000 Franken wird wegen Plan- und Materialänderungen um 70'000 Franken überzogen. Dank der mit Gewinn abschliessenden Erfolgsrechnung der Hütte entstehen deswegen bei den Alpgenossen keine Diskussionen. So lädt die Alpverwaltung 1967 die Trübsee-Alpgenossen zu Schüblig und Suppe auf den Jochpass.

1977–1988

Wegen der immer grösseren Ansprüche im Bergtourismus und vor allem der stetigen Wintersportentwicklung bestimmen fortan die Trübsee-Alpgenossen alle paar Jahre über Um- und Anbaukredite des inzwischen als Berghaus Jochpass umbenannten Gebäudes: 1977 und 1986 wird die Selbstbedienung vergrössert. Diskussionen entstehen jeweils an der Kasse, wenn der Hüttenwart von einzelnen Mitgliedern des Bergklubs Nidwalden oder Trübsee-Alptitelbesitzern feststellen muss, dass mit den zugesagten Vergünstigungen auf Suppe und Kaffee Missbrauch betrieben wird. Aus diesem Grund beschliessen die Alpgenossen 1988, zukünftig auf Konsumationsvergünstigungen zu verzichten.

1992

Die Tannenbar, ein Sarna-Rundzelt, wird erstellt, an der sich während der Skisaison vor allem die Snowboard-Generation zu Discoklängen erfrischt. Die Bausummen entwickeln sich fast parallel zur Entwicklung des Skitourismus. Die notwendigen Investitionen bewegen sich nicht mehr in Hunderttausendersummen, sondern in Millioneninvestitionen.

1998–heute

Seit dem Abschied des legendären Hüttenwartsehepaares Berta und Ignaz Odermatt-Scheuber haben sich verschiedene Geranten auf dem Jochpass abgelöst. Seit 1998 verwöhnen das Ehepaar Trudi und Erwin Gabriel-Gander und sein Team mit enormer Innovationskraft die Gäste im Bärghuis Jochpass. Unter ihrer Führung sind mit dem Umbau des Bedienungsteils und dem Anbau Länderblick (2005) in jüngster Vergangenheit die aktuellen gastronomischen Bedürfnisse erfüllt worden. Mit dem Neubau des Gadä im Jahr 2013 erfolgte der Startschuss in eine weitere umfangreiche Bauphase. Am 13. Dezember 2014 eröffnen Trudi und Erwin den total umgebauten Restaurant- und Hotelteil.